20.10.2019

Wenn der Zug nachts aus dem (Gleis-)Bett springt

„Auf Kilometer 30,2 ist ein Zug aufgrund von Fremdkontakt entgleist,“ tönt es nachts um 1 Uhr auf den 20. Oktober aus dem Funkgerät. So beginnt die Alarmierung der Übung des Ernstfalls eines Zugunglücks im Tunnel bei Göggelsbuch. Die Aufgabe für die rund 300 Rettungskräfte von Feuerwehr, BRK, Johanniter und THW war das sichere Bergen von 56 Personen, verletzt und unverletzt, aus dem liegen gebliebenen ICE im Tunnel.

Ein Unglück in einem Zug-Tunnel stellt immer eine besondere Herausforderung dar. Der Platz ist begrenzt, die Wege teilweise unwegsam und weit sowie die rasche Versorgung von Verletzten an Ort und Stelle erstmal nicht gegeben.
Das bedeutet, dass das Rettungspersonal sehr organisiert und sortiert an schwer verletzte und verstörte Verunglückte heran gehen muss, um diese so schnell wie möglich bergen zu können.

Hierzu müssen zunächst zwei Türen des stehenden Zugs geöffnet und zugänglich gemacht werden. Die erste Gruppe der Feuerwehr, die eingetroffen ist, beginnt die Sondierung der Situation innerhalb des Zuges und schickt bereits Personen, denen nichts passiert ist, aus dem Fahrzeug, da diese von alleine den Weg über die 30 Meter hohe Treppe ins Freie kommen können.
Bewusstlose Patienten werden sofort mit Erstversorgung versehen und die Sichtung vom eingetroffenen BRK beginnt. Das BRK sortiert mittels farbiger Karten alle verletzten Personen in drei Klassen ein, nach denen gehandelt wird. Verletzte mit einer roten Karte müssen sofort versorgt werden, gelbe Karten kommen anschließend dran und grüne Karten können sich immerhin selbst tragen und mit einer personalen Unterstützung aus dem Tunnel gebracht werden. So kommen nach und nach alle Menschen aus dem Gefahrenbereich heraus und werden an drei Ausgängen notversorgt.

Auf so genannten Sichtungsmatten werden die Patienten erneut von einem Arzt begutachtet, der sich um sie kümmert und an entsprechende Krankenhäuser weiter verteilt. In diesem Fall ist das Südklinikum Nürnberg Teil der Übung und darf den Ernstfall eines Großunglücks in der Notaufnahme an eigenem Leib mit erfahren.

Das THW Hilpoltstein und das THW Roth unterstützen die restlichen Einsatzkräfte mit dem Notstromaggregat, dem Aufbau von Powermoons für mehr Licht und dem Begleiten von Verunfallten aus dem Tunnel. „Aus unserer Sicht lief heute Nacht alles perfekt,“ so der Ortsbeauftragte Alexander Regensburger über die Organisation des THWs an diesem Abend. Auch der Sprecher für Einsatzleitung und Organisatorische Leitung im BRK Gerd Gruber ist zufrieden: „In Lagen wie diesen lässt sich die Einsatzfunktion von Sichtungsmatten sehr gut üben. Wir können zeigen, dass die Strukturierung sehr gut funktioniert und zudem das Equipment immer sauber, ordentlich und griffbereit zur Hand ist.“

Gegen 3.30 Uhr morgens ist der Einsatz vorbei und es wird rückgebaut. Kreisbrandrat Werner Löchl lädt Statistinnen und Statisten, Organisatorinnen und Organisatoren sowie Helferinnen und Helfer zu einer gemeinsamen Vesper, bevor es recht zufrieden zurück in das verdiente Bett geht.

Text: Liam Flohry
Bilder: Bernhard Bergauer, Liam Flohry


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