23.06.2022

Endlich professionell helfen – mit dem passenden Ehrenamt

Jedes Jahr melden sich beim Technischen Hilfswerk (THW) Hilpoltstein Bürgerinnen und Bürger, um in ihrer Freizeit sinnvolle Aufgaben zu übernehmen und das Ehrenamt mit Hilfeleistung für die Bevölkerung zu wählen. Das richtige Helfen will gelernt sein, deshalb gibt es beim THW zu Beginn immer erst die Grundausbildung. Erst während dieser intensiven Zeit lernt man den ganzen Umfang kennen, den ein „THWler“ als Basiswissen für den Ernstfall besitzen muss. Auch Anna Keßler ist eine von den Personen, die Ende letzten Jahres beim THW in die Grundausbildung gestartet sind.

Die gelernte Feinwerkmechanikerin Anna Keßler ist seit Herbst 2021 dem Team THW beigetreten. Ihr finaler Beweggrund war die schwere Katastrophe, die letzten Sommer das Ahrtal ereilt hatte. Sie hat beobachtet, dass viele Menschen auf gut Glück in das Unglücksgebiet gereist sind, um zu helfen. „Aber viele wissen gar nicht, wie es richtig geht, das Helfen. Natürlich kann ich dort hinfahren und den Dreck wegschaufeln, aber richtig wissen, was ich da mache und worauf ich achten muss, das kann ich nicht,“ erklärt die 30jährige. Immerhin hatte sie auch schon bei der Überschwemmung in Deggendorf geholfen, doch ab jetzt soll es endlich mit mehr fundiertem Wissen geschehen.

 

Vielfältiges Wissen geballt in einer Ausbildung

 

Die Wahl für das Technische Hilfswerk fiel Keßler leicht. Der technische Beruf, dessen Ausbildung sie kürzlich erst nachholte, bot die optimale Verbindung zu der technischen Hilfe. Hier kann sie nicht nur einfach helfen, sondern auch ihre berufliche Bildung fachkundig mit einbringen. Im Gegenzug erfährt sie ein breiteres Spektrum, mit dem sie im Beruf noch nicht zu tun gehabt hatte. Zum Beispiel das Heben von schweren Gegenständen mittels Druckluftkissen oder der Umgang mit schwerem Gerät, wie einem Spreizer, um eingeklemmte Personen retten zu können.

 

Zu jeder Ausbildung, die dreimal im Monat stattfindet, gibt es ein spezielles Thema, an dem sich die Auszubildenden üben müssen. Das Angebot ist dabei sehr breit gefächert, wie der Umgang mit Leitern, Ausleuchten von Einsatzstellen, Holz-, Gesteins- und Metallbearbeitung, Bewegen von Lasten, Arbeiten im/am Wasser oder das richtige Verhalten im Einsatz. „Besonders das Funken hat mega Spaß gemacht. Hier gibt es doch andere Regeln als beim normalen Telefonieren,“ berichtet Keßler von den Ausbildungen, die sie schon mitgemacht hat. Gerade auch das umfangreiche Wissen, das man sich erst einmal aneignen muss, ist etwas, das sie sich beim THW nicht so vorgestellt hat.

 

Nach der Grundausbildung stehen der Auszubildenden viele Türen offen. Sie kann als Helferin in die Bergung, in die Fachgruppe Wassergefahren, den Fachzug Führung und Kommunikation oder in die Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung. So richtig Gedanken hat sie sich noch nicht gemacht, sie will erstmal die Prüfung bestehen. „Aber ich habe voll Bock auf Wasser. Und ich wusste nicht, dass man beim Paddeln auch schon so viel beachten muss. Das ist total spannend,“ erzählt Anna Keßler von ihrem ersten Schnuppertag beim THW, bevor sie sich angemeldet hat.

 

Mehr Diversität fördert die Problemlösung

 

Frauen beim THW sind leider immer noch eine Seltenheit, auch wenn die Zahl der Helferinnen stetig steigt. Umso erfreulicher ist es, wenn die gedankliche Hürde, es sei nur eine Männerdomäne, überwunden wird und sich Frauen in den Ortsverbänden melden. Keßler weiß, dass sie zwar nie die körperliche Konstitution eines Mannes haben wird, aber es sind auch andere Qualitäten beim THW gefragt. Gerade die Fähigkeit, nochmal einen anderen Blick auf die Situation zu werfen und anschließend das Beste aus beiden Meinungen zu vereinen ist eine wertvolle Erfahrung für alle Helfenden beim THW.

 

Gerade die Unterschiedlichkeit alle Beteiligten fördert die Kreativität des Teams und damit die Lösungsfindung von Problemstellungen. „Ich find’s nicht besonders als Frau im THW zu sein, wir sind im 21. Jh. und da sollte das echt normal sein. Man sollte nur finden, was man eben kann.  Viele Frauen halten sich von dem zurück, wie sie aufgewachsen sind.“

 

Wenn man dann noch in einem so offenen und aktiven Ortsverband eingebunden ist, wächst man als Team noch schneller zusammen, was wichtig für einen reibungslosen Einsatz ist, erläutert die Feinwerkmechanikerin auf die Frage, wie sie es bisher im Hilpoltsteiner Ortsverband findet.

 

Abschließend stellt die Helferin fest, dass man unbedingt immer etwas Neues ausprobieren und seine Komfortzone verlassen soll. Das kann den Horizont nur erweitern.

 

Text: Liam Flohry
Fotos: Bernhard Bergauer


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