27.10.2018

Gemeinsame ICE-Ausbildung der THW Ortsverbände Roth und Hilpoltstein

ICE-Trasse im Fokus der Ausbildung

Seit Eröffnung der 89 Kilometer langen ICE-Trasse zwischen Nürnberg und Ingolstadt, sorgen die rund 300 km/h schnellen ICE-Züge der Deutschen Bahn für ein flottes und komfortables Reisen zwischen Nürnberg und der Landeshauptstadt. Knapp die Hälfte der Neubaustrecke, welche im November 2005 ihrer endgültigen Bestimmung übergeben wurde, verläuft durch den Landkreis Roth. Um für den Ernstfall bestens gewappnet zu sein, machten sich die Helferinnen und Helfer der beiden THW-Ortsverbände Roth und Hilpoltstein im Rahmen eines gemeinsamen Ausbildungswochenende mit den geltenden Alarmplänen und der Handhabung der Sicherheitseinrichtungen an den Notausstiegen der ICE-Tunnel vertraut.

 

Bis auf den letzten Platz war die Hilpoltsteiner THW-Unterkunft am letzten Ausbildungsfreitag im Monat belegt. Den Grund hierfür bildete eine gemeinsame Ausbildung über das Vorgehen bei Einsätzen  an der nahegelegenen ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Ingolstadt, an der zahlreiche Helferinnen und Helfer der beiden THW-Ortsverbände Roth und Hilpoltstein teilnahmen.

 

Hand in Hand mit dem Notfallmanager

 

Rund 190 Eisenbahninfrastrukturunternehmen gibt es in Deutschland, die für den Personen- und Güterverkehr einzelne Eisenbahnstreckenabschnitte betreiben. Das wohl bekannteste Unternehmen dürfte die Deutsche Bahn AG (DB) sein. Wer einen solchen Streckenabschnitt betreibt, muss im Ernstfall bei einer Zugentgleisung, einem Brand oder eines medizinischen Notfalls einen zuständigen Ansprechpartner für die Rettungskräfte vorhalten. Der so genannte Notfallmanager wird bei Unfällen automatisch von der zuständigen Leitstelle alarmiert und ist für die Einsatzleitung vor Ort erster Ansprechpartner.  

 

Um für den Ernstfall gut gerüstet zu sein, informierte der zuständige Notfallmanager der Deutschen Bahn AG, Werner Popp, die THW-Kräften über seine Aufgaben und Zuständigkeiten. Da die ICE-Strecke mit Oberleitungen versehen ist, die eine elektrische Spannung von bis zu 15.000 Volt aufweisen, muss unbedingt vor dem Betreten des Gleisbereiches eine fachgerechte Abschaltung und Erdung der Oberleitung erfolgen. Diese Aufgabe obliegt – wenn keine speziell ausgebildeten Feuerwehrkräfte vor Ort sind – dem Notfallmanager. 

Da für die Einsatzkräfte an Bahnanlagen neben der Oberleitung auch noch diverse weitere Gefahren im Gleisbereich lauern, bildete die Gefahrenerkennung und –vermeidung einen wesentlichen Inhalt des Kurzvortrages des erfahrenen DB-Notfallmanagers.

 

Ein Masterplan für die ICE-Trasse

 

Knapp ein Drittel – nämlich 27 Kilometer – der Gesamtstrecke zwischen Nürnberg und Ingolstadt sind untertunnelt und stellen in Hinblick auf die dadurch eingeschränkte Zugänglichkeit die Rettungskräfte vor neue Herausforderungen. Kreisbrandrat Werner Löchl nutzte die Gelegenheit und informierte ausführlich über die für die ICE-Strecke akribisch ausgearbeiteten Alarm- und Einsatzpläne. 

 

Der Theorie folgte die Praxis

 

Damit im Ernstfall auch jeder Handgriff sitzt, erkundeten die Helferinnen und Helfer beider THW-Ortsverbände am nächsten Tag unter der Leitung von Kreisbrandrat Werner Löchl und einem weiteren Team der Freiwilligen Feuerwehr Greding die ICE-Strecke und machten sich mit den dortigen Sicherheitseinrichtungen vertraut. Dabei bildete der 7.700 Meter lange ICE-Tunnel „Euerwang“ mit seinen Notausstiegen das ideale Übungsobjekt.

 

Am Notausstieg 3 (NA 3) im Heimbachtal angekommen, informierten Christian Finger und Emanuel Löchl (FFW Greding) über die dort vorhandenen Sicherungs- und Rettungseinrichtungen. Um im Ernstfall dringend benötigtes Material zum etwa 35 Meter tieferliegenden Gleis im ICE-Tunnel zu transportieren, verfügt der NA 3 über einen fest eingebauten Aufzug mit einer Tragkraft von bis zu 300 Kilogramm. Die zum Betrieb des Aufzugs notwendige elektrische Energie liefert das 61 kVA-Aggregat des Landkreises Roth, welches im Hilpoltsteiner THW-Ortsverband stationiert ist. Dieses wurde sogleich in Betrieb genommen und die Handhabung der Aufzugsanlage trainiert.

Die Personenrettung erfolgt im Ernstfall über die installierte Wendeltreppe, welche die THW-Kräfte zur eingebauten Sicherheitsschleuse zwischen Rettungsschacht und Gleis führte.

 

Die körperliche Fitness der Katastrophenschützer wurde beim Notausgang 2 auf die Probe gestellt. Dort beträgt der einfache Höhenunterschied rund 100 Meter. Um vom Notausgang zum Gleisbereich zu gelangen, mussten die Helferinnen und Helfer eine Treppe mit knapp 500 Stufen überwinden.   

 

Dagegen schon fast komfortabel, zeichnete sich der Zugang zur ICE-Trasse über den Notausgang 4 und 5 ab. Dabei handelt es sich um einen fast parallel zum Gleis verlaufenden Rettungsstollen, welcher sogar mit Fahrzeugen befahrbar ist. Anhand eines Videofilms von der im Herbst 2012 durchgeführten großen ICE-Übung, veranschaulichte Werner Löchl wichtige Einsatzgrundsätze im Gleisbereich und informierte über mögliche Einsatzoptionen sowie die organisationsübergreifende Zusammenarbeit der eingesetzten Rettungskräfte.

 

Rund um die Logistik am Gleis ging es bei der letzten Ausbildungsstation, welche die THW-Helfer zur Übungsstrecke am Feuerwehrhaus in Grösdorf, einem Ortsteil des Marktes Kipfenberg führte. Unter fachkundiger Anleitung von Alexander Regensburger (THW-Ortsbeauftragter Hilpoltstein) trainierten die THW-Helfer die richtige Handhabung der Rollpaletten. Diese Transportsysteme stehen den Einsatzkräften für den Materialtransport im Tunnel zur Verfügung und zeichnen sich durch eine leichte Handhabung und einem kräfteschonenden Materialtransport aus.

Anhand exemplarisch montierter Löschwasserarmaturen an der Übungsstrecke, lernten die Katastrophenschützer deren Funktionsweise ebenfalls kennen, wie auch die Oberleitungsspannungsprüfeinrichtung (OLSP). Diese gibt den Rettungskräften im Ernstfall wichtige Auskunft darüber, ob der Streckenabschnitt auch tatsächlich abgeschaltet und  ordnungsgemäß geerdet wurde.

Um bei Bedarf die Transportkapazitäten auf dem Gleis mit eigenen Mitteln signifikant zu steigern, können die Hilpoltsteiner THW-Helfer auf das ortsverbandseigene „Einsatzgerüstsystem“ (EGS) zurückgreifen. Unter Verwendung von Rohrstangen, Querriegeln und Gerüstböden, bauten sich die Helfer unter Federführung von Maximilian Wechsler (Gruppenführer 2. Bergungsgruppe) ihren eigenen Rollwagen, mit dessen Hilfe ebenfalls enorme Mengen an Material auf den Eisenbahnschienen transportiert werden können.  

 

Die Helferinnen und Helfer der THW Ortsverbände Roth und Hilpoltstein bedanken sich herzlich bei Werner Popp (DB-Notfallmanager), Werner Löchl (Kreisbrandrat) und den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Greding für das sehr informative und zugleich praxisorientiert durchgeführte Ausbildungswochenende.

 

Text: Bernhard Bergauer

Fotos: Bernhard Bergauer


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