Großschadenslage beschäftigte THW-Ortsverbände
Rund 200 Helfer der zehn bayerischen Fachgruppen „Führung und Kommunikation“ des Technischen Hilfswerkes (THW), darunter auch die Fachgruppe aus dem Ortsverband Hilpoltstein, übten am vergangenen Wochenende auf dem Gelände der Führungsunterstützungsschule der Bundeswehr in Pöcking am Starnberger See den Ernstfall.
Sintflutartige Regenfälle führten im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zu schweren Überschwemmungen. Neben Beschädigungen an Gebäuden ist insbesondere die Infrastruktur stark in Mitleidenschaft gezogen worden. So sind Straßen teilweise nicht passierbar und Telefonnetze ausgefallen. Orkanartiger Sturm verschärfte die Situation und führte zur Alarmierung von fiktiv rund 165 THW-Einsatzkräften.
Dieses in ganz Deutschland vorstellbare Szenario bildete die Ausgangsbasis für die diesjährige Großübung der insgesamt elf bayerischen THW-Fachgruppen „Führung und Kommunikation“, die federführend durch den THW-Ortsverband Geretsried organisiert und geleitet wurde.
Mit dem Ziel, die Fach- und Sozialkompetenz der übenden THW-Helfer zu fördern und den Erfahrungsaustausch zu verbessern, wird jährlich eine Übung dieser Größenordnung im THW Landesverband Bayern durchgeführt. Mit bereits positiven Effekten: So lässt sich eine zunehmende Standardisierung in der Arbeitsweise feststellen, was insbesondere bei längerer Einsatzdauer mit notwendigem Personalwechsel in den Führungsstellen die Einarbeitungszeiten verkürzt und Informationsverluste vorbeugt. Darüberhinaus bewerten unabhängige THW-Beobachter die Arbeit der übenden Teilnehmer. Aus den gewonnenen Erkenntnissen lassen sich anschließend wichtige Hinweise für Optimierungsmöglichkeiten ableiten.
Um bei Katastrophen mit zahlreichen Schadensstellen und eingesetzten Rettungskräften schnelle Hilfe zur Verfügung zu stellen, gibt es im THW die Fachgruppe „Führung und Kommunikation“. Diese Führungsspezialisten stellen die Kommunikation zwischen den im Einsatz befindlichen Kräften sicher, erfassen Schadenslagen und Koordinieren die notwendige Hilfe in Form von Rettungskräften, technischer Ausstattung und Material.
So war es Aufgabe der übenden Fachgruppen, eine mobile Führungsstelle – bestehend aus einer Fernmeldezentrale sowie einem angegliederten Lageraum – einzurichten und zu betreiben. Personelle Unterstützung erhielten dabei die Hilpoltsteiner THW-Helfer durch den Ortsverband Mühldorf. Nach Inbetriebnahme der Führungsstellen am Samstagmorgen, galt es für die THW-Helfer, eingehende Informationen über das Einsatzgeschehen zu erfassen und an der Lagekarte zu visualisieren. Der anschließenden Lageanalyse folgte die Entscheidung über einzusetzende THW-Einheiten und ein fiktiver Einsatzauftrag verließ den Stabsraum. Die für das Planspiel notwendigen Informationen über die angenommenen Schadenslagen sowie der zur Verfügung stehenden Ressourcen sendete der gastgebende Ortsverband Geretsried in seiner Funktion als Übungsleitung mittels Sprechfunk oder Telefax an die übenden Führungsstellen.
Um auch bei einem Ausfall der öffentlichen Telekommunikationsnetze einsatzfähig bleiben zu können, verfügt jede der teilnehmenden Fachgruppen über einen Fernmeldetrupp. Aufgabe der vierköpfigen Einheit bestand darin, mehrere kabelgebundene Kommunikationsnetze innerhalb verschiedener Einsatzabschnitte zu installieren und diese räumlich getrennten Netze mit Hilfe von Funkbrücken zu verbinden.
Geladene Hilfsorganisationen wie Feuerwehr und BRK machten sich bei der Übung ein Bild von den vielfältigen Möglichkeiten des THW.
Nach Übungsende zog Josef Walter, Leiter der Hilpoltsteiner Fachgruppe, eine positive Bilanz: „Die Zusammenarbeit mit anderen Ortsverbänden klappt reibungslos und neue Kontakte konnten geknüpft werden. Ebenso bietet diese Übung eine Plattform, Lösungswege zu diskutieren und so voneinander zu lernen.“
Text: Bernhard Bergauer Bilder: Bernhard Bergauer
|